Freitag, 30. Oktober 2009

Punkte per Post?

Ach ist das herrlich, mal wieder ein freies Wochenende in Anspruch nehmen zu können! Genießen wir doch einfach das fantastische Herbstwetter, lehnen uns entspannt zurück und beobachten, wie die Konkurrenz ins Straucheln gerät krass vorlegt, um am Montag dann, wenn alle Welt schon wieder im grauen Alltag gefangen ist, einen kleinen Ausflug ins beschauliche Ostsee-Bad Rostock zu unternehmen.

Zu verdanken haben wir diesen Luxus neben der Profitgier unseres allseits heißgeliebten Spartensenders auch der kompetenten Einschätzung der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS), welche schon in der Vergangenheit wiederholt durch treffsichere Beurteilung der Lage über jeden Zweifel erhaben zu sein scheint.

So wurde in der letzten Saison unser Auftritt am Baltischen Meer von der ZIS nicht(!) als Risikospiel eingestuft, da sich das Verhältnis zwischen uns und Hansa merklich entspannt habe.

Stimmt, in den sechs Jahren zuvor gab es keine nennenswerten Konfrontationen. Dass dabei auch die Zugehörigkeit zu unter- schiedlichen Ligen eine untergeordnete Rolle gespielt haben könnte und es somit zu keinem direkten Aufeinandertreffen kam, möchte ich bestenfalls am Rande zu bedenken geben.

Jeder, der letztes Jahr dabei war, erinnert sich wohl noch mit einem Lächeln auf den Lippen, wie ausgelassen wir dann mit den Gastgebern gefeiert haben.

Beim Plausch am Zaun werden Nettigkeiten ausgetauscht
Bild: spox.com
Ein weiteren Beleg für die mittlerweile fast kuschelige Liaison scheint der spontane Besuch von knapp 30 Rostockern am vorvergangenen Mittwoch beim USP-Treffen im LIZ gewesen zu sein.

Dabei stürmte eine Handvoll der Besucher in den Laden, während der Rest draußen wartete. Die Gäste verteilten unter vorlautem „Hansa“-Gegröle großzügig ein paar Flaschen in der Menge und verschwanden anschließend eben so schnell wie sie aufgetaucht waren. Die restlichen Überraschungsgäste warteten vor der Tür und verbarrikadierte den Eingang sofort mit Fahrrädern und Mülltonnen, so dass USP nicht einmal anständig „Auf Wiedersehen“ sagen konnte. Obwohl keine Viertelstunde später ca. 200 St. Paulianer das Viertel durchkämmten, um den Rostockern für ihren Kurzbesuch zu danken, fehlte von denen jede Spur. Und so wird man sich wohl erst morgen wiedertreffen.

Aber mal im Ernst, die Tatsache, dass sich irgendwelche Idioten fernab eines Fußballspiels auf die gut 180 Kilometer lange Reise machen, um ein Fantreffen generalstabsmäßig geplant anzugreifen, birgt eine neue Qualität, die mir Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Aufgrund dieser Brisanz, gepaart mit den dilettantischen Äußerungen der ZIS, an einem Montag würden sich weniger St. Pauli-Fans auf den Weg nach Rostock machen und nicht zuletzt der Umstand, dass wir seit Menschengedenken sportlich an der Ostsee nichts mehr gerissen haben, halte ich den Vorschlag eines Kumpels für gar nicht so blöd. Wir schicken die drei Punkte mit der Post und bekommen im Gegenzug die Kohle überwiesen, die der Polizeieinsatz gekostet hätte. Davon kaufen wir dann in der Winterpause Ivan Klasnic zurück.

Aber was rede ich, natürlich geht nichts über die persönliche Kontaktpflege, und vielleicht gibt es ja auch das ein oder andere Gastgeschenk von unseren neuen Freunden...

...äh…Dingens…!

…wie heißen die doch gleich noch…?




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Dienstag, 20. Oktober 2009

Null-Punkt-Energie

Was verbindet den FC Energie Cottbus mit dem FC St. Pauli? Nun, beide Vereine stehen im heißen Wettstreit, der verhassteste Gegner der Rostocker zu sein. In den folgenden zwei Videos seht ihr, wie sich der Pöbel von der Ostsee auf beide Klubs einstimmt. Die „schwulen Lausitzer“ avancieren zum „Hassgegner“ während St. Pauli einfach nur „scheiße“ ist.




Spätestens seit die Amis im Afghanistan-Konflikt die Taliban gegen die UdSSR unterstützt und aufgerüstet haben, ist klar, dass nicht zwangsläufig eine Freundschaft bestehen muss, bloß weil man einen gemeinsamen Feind hat.

Auch wenn zumindest der Stadionname der Lausitzer sportliche Gastfreundschaft suggeriert, so verdeutlichen die anschließenden Bilder, mit was für einem Gesocks wir heute zu rechnen haben.


An der Frage, welche sozialen Randbedingungen solchen Scum generieren, haben sich schon Massen an Wissenschaftlern der verschiedensten Disziplinen aufgerieben. Heute möchte ich einmal den quantenmechanischensoziologischen Erklärungsversuch wagen und stelle deshalb die Frage:

Was ist Null-Punkt-Energie?

Hört bitte zunächst die rein physikalische Definition von Harald Lesch, Professor für theoretische Astrophysik an der Universitätssternwarte der LMU München, bevor ihr euch meine soziologische Auslegung zu Gemüte führt.


Null-Punkt-Energie wird auch Vakuum-Energie genannt. Also die Energie des Nichts. Wobei hier jetzt nicht das philosophische Nichts zu verstehen ist, was wirklich Überhauptnichts bedeutet, sondern es geht um das geistige Nichts. Das geistige Nichts besteht darin, dass nichts drin ist – kein Hirn – überhaupt keins. Und das einzige, was übrig bleibt ist dann ein Zustand, den nennt man geistiges Vakuum. Das Irre am geistigen Vakuum ist nun, dass es im Grunde genommen nicht wirklich Nichts ist, sondern immer noch was bleibt. Und was da bleibt, das nennt man Null-Punkt-Energie. Also selbst dann, wenn nichts drin ist in einem Kopf, sagt die Quantensoziologie, gibt es immer noch eine Art von Wahrscheinlichkeit dafür, dass etwas auftaucht.

Vor allen Dingen dann, wenn man diesem Nichts Ränder gibt. Also, wenn man es irgendwie einsperrt - das Vakuum praktisch einschränkt. Das es nicht Alles sein kann, sondern eben nur ganz gewisse Formen annehmen kann. Wie man das macht? Das ist ganz einfach! Man nimmt ein geistiges Vakuum, also ein Nichts, wo man alles raus gepumpt hat, was irgendwie möglich ist und quält dieses Nichts in eine Plattenbausiedlung in Cottbus. Dann stellt man folgendes fest: Da die ideologische Eigenschaft des Vakuums immer eine gruppendynamische Eigenschaft ist, also da taucht eine wechselseitige Beeinflussung der Mitglieder einer Gruppe auf - die Null-Punkt-Energie ist nämlich eben nicht irgendeine punktgenau definierte Ideologie, sondern alles in der Quantensoziologie hat eine gewisse Unberechenbarkeit. Und diese Unberechenbarkeit nun, die birgt natürlich auch ein gewisses Risiko. Jedes Individuum hat einen sozialen Hintergrund. Und je nachdem, wie nun das gesellschaftliche Umfeld angeordnet ist, kommen nur ganz bestimmte Gesinnungen überhaupt in Betracht. Denn nur solche, die genau in dieses gesellschaftliche Umfeld passen, können dort auch existieren.

Es ist nichts drin, außer des Gewaltpotenzials der geistigen Vakuumenergie – sonst nix! Aber dieses Gewaltpotenzial ist eben nicht irgendwie. Die Quantensoziologie sagt ja nun, dass jeder Gewaltausbruch nur einen einzigen gesellschaftlichen Hintergrund haben kann – gequantet eben! Das heißt also, in diese Plattenbausiedlungen in Cottbus passen nur ganz bestimmte soziale Randgruppen hinein. Ganz bestimmte Schichten der Anhängerschaft von (Null-Punkt-)Energie Cottbus.

Und jetzt kommt’s: Weil eben nur eine bestimmte Schicht dort hinein passt, außerhalb dieser Platten aber unendlich viele Kulturen und Ideologien der menschlichen Lebensform auftreten können, entsteht ein Druck. Die Gesellschaft verursacht einen Druck auf diese Plattenbau- siedlungen. Denn die Anzahl der Möglichkeiten zum gesellschaftlichen Aufstieg innerhalb der Siedlungen ist kleiner als die Anzahl der Möglichkeiten außerhalb solcher Ghettos. Und so kann man die Null-Punkt-Energie messen.

Also nochmal, was man braucht sind soziale Ränder. Das absolute Nichts – da ist nichts zu messen. Was man braucht, ist ein Rand um das geistige Nichts herum. Und dann kann man tatsächlich feststellen, wie viel Energie dieses Nichts in einer Plattenbausiedlung tatsächlich aufweist.

Die Null-Punkt-Energie ist heutzutage eine ganz wichtige Größe bei der Bestimmung des sozialen Gefälles und der Perspektivlosigkeit der unteren Schichten innerhalb der Gesellschaft. Denn der größte Teil unserer Gesellschaft ist kalt - besteht aus Gefühlsarmut. Was da aber wirkt, ist diese Null-Punkt-Energie. Und genau daran krankt unser System.



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Samstag, 10. Oktober 2009

Zweite Bälle – zweite Welle

In den letzten Jahren haben ein paar neue Idiome in die Fußballsprache Einzug erhalten. Dazu gehört das „kompakte Stehen“, die „Doppel-Sechs“ oder auch der sagenumwobene „zweite Ball“.

Während sich hinter dem „kompakten Stehen“, nichts anderes verbirgt, als dass ein sogenannter Wadenbeißer dem gegnerischen Spielmacher in der Pause bis aufs Klo folgt, ist auch die „Doppel-Sechs“ verhältnismäßig einfach zu erklären. In grauer Urzeit waren die Spieler einer Fußballmannschaft noch relativ einfallslos von eins bis elf durchnummeriert. Dieses Phänomen lässt sich gelegentlich noch bei unterklassigen Amateurpartien beobachten. Dies wird aber wahrscheinlich kaum noch jemandem bewusst sein. Denn wer guckt sich am Sonntagnachmittag schon das Lokalteam auf dem Sportplatz um die Ecke an, wenn am Wochenende rund um die Uhr Bilder von der Moneyliga Bundesliga über die Mattscheibe flimmern?

Zurück zum Thema. In der guten, alten Zeit konnte man Anhand der Rückennummer sofort erkennen, auf welcher Position ein Spieler sein taktisches Tagewerk zu vollbringen hatte. Der rechte Verteidiger trug die 2, der linke die 3, der Stopper lief mit der 4 auf und den fast vergessenen Libero zierte die Nummer 5. Davor spielte auf der zentralen Defensivposition (hinter dem klassischen 10er) eben die 6.

Da es heutzutage aus taktischen Gründen immer mehr in Mode kommt, diesen Posten doppelt zu besetzen, die Spieler aber aus marketingtechnischen Gründen (Trikotverkauf) feste Nummern haben, spricht man von der „Doppel-Sechs“. So einfach ist das.

Etwas schwieriger wird es, den „zweiten Ball“ zu erklären. Wer immer der Meinung ist, etwas Ahnung von moderner Taktik zu haben, der wird nicht müde, zu erwähnen, wie enorm wichtig es sei, den „zweiten Ball“ zu erobern.

Dabei habe ich mich lange gefragt, was eigentlich dagegen spricht, das Augenmerk bereits auf den ersten Ball zu richten?

Die banale Erklärung hierzu lautet, dass sich eine Mannschaft nach einer abgewehrten Standardsituation (→Abstoß, →Freistoß, →Eckball, →Einwurf ) gefälligst um die Rückeroberung des Spielgeräts zu bemühen hat, um bei Ballgewinn den bereits in der Vorwärtsbewegung befindlichen Gegner erneut in Bedrängnis zu bringen.

Zu welch unsportlichem Verhalten die neue Relevanz des „zweiten Balles“ zuweilen führt, zeigt das folgende taktische Vorgehen. Hat eine Mannschaft einen verletzten Spieler, spielt sie den Ball gewöhnlich ins Aus, um eine schnelle Behandlung zu gewährleisten. Nach der Unterbrechung wird der Ball vom Gegner, ganz wie es dem Fairplay gebührt, zurückgegeben. Allerdings wird dabei der Ball möglichst dicht in der Nähe der Eckfahne ins Aus gedroschen. Nach der vermeintlich fairen Geste hat man jetzt beim Einwurf die Möglichkeit, über den „zweiten Ball“ nahe der Grundlinie in Ballbesitz zu kommen und sich so eine Torchance zu erarbeiten.

Eine ganz fiese Sache ist das!

Fies ist übrigens auch die zweite Welle der Schweinegrippe, die zurzeit über uns hereinbricht. Dabei wäre dem Ganzen doch so leicht Einhalt zu gebieten, würde man einfach den paar Verhaltensregeln der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung folgen. Mit welcher Ignoranz diesen Regeln aber entgegengetreten wird, musste ich am vergangenen Sonntag im Stadion beobachten. Da muss sich dann keiner wundern, dass es an allen Ecken und Enden schnieft und trieft.

1.) Hände waschen und vom Gesicht fernhalten
Aufgrund der kurzen Wartezeiten bevorzuge ich den Toilettencontainer hinter der Gegengeraden ganz links neben dem letzten Bierstand. Leider besticht dieser durch eine ganz eigene Ursprünglichkeit und verfügt nicht einmal über ein Waschbecken. Also wird sich fröhlich über die Finger gepinkelt und nach dem Spiel in der Kneipe unbedacht in die Erdnussschale gegriffen. Guten Appetit!

2.) Hygienisch husten
Ich habe keine Ahnung wer, wo, welches Kraut inhaliert, die anschließenden Huster laden aber nach meinen Beobachtungen NIE in der Armbeuge.

3.) Krankheit zu Hause auskurieren
…und eben nicht im Stadion. Das geht bei Sturmböen mit einhergehenden Starkregen sowieso schief.

4.) Auf erste Anzeichen achten
Wer also trotz ansehnlicher Spielweise unserer Mannschaft Unwohlsein und Missmut verspürt, der sollte schleunigst den Arzt Bierstand aufsuchen.

5.) Gesund werden
„Stimmen Sie das weitere Vorgehen telefonisch mit Ihrem Arzt ab“, heißt es unter diesem Punkt. Da sieht man mal wieder, dass nur Theoretiker mit dem Verfassen solcher Merkblätter beschäftigt sind. Wer während des Spiels schon mal probiert hat, zu telefonieren, dem ist ob des Geräuschpegels die Ausweglosigkeit dieses Unterfangens bewusst.

6.) Familienmitglieder schützen
Sofern man von der großen St. Pauli-Familie sprechen kann, sollte man auch deren Mitglieder schützen. Und da sollte dann tunlichst darauf verzichtet werden, im großen Kreis Sportzigaretten und Bierbecher freizügig herumzureichen. Selbst auf Umarmungen und Küsschen beim Torjubel solltet ihr jetzt verzichten.

7.) Geschlossene Räume regelmäßig lüften
Wenn ich eine gut belüftete Kneipe kannte, dann würde ich dort nach dem Spiel mein Bier ohne Angst vor H1N1 genießen. So bleiben doch nur die altbekannten, viren- und bakterienverseuchten Räucherhöhlen.

8.) Abstand halten, Menschenansammlungen meiden
Ausgerechnet jetzt wird auch noch die Haupttribüne abgerissen. Da heißt es auf den verbleibenden drei Traversen enger zusammenzurücken. Eine kontraproduktivere Aktion als diese, kann ich mir kaum vorstellen. Andererseits würde das neue „Littmannloch“ aber die Belüftung fördern…

9.) Über Hygienemasken Bescheid wissen
Stellt sich erst einmal die Frage, ob ein Fanschal als Hygienemaske durchgeht, und dann würde mich mal interessieren, was die Polizei bezüglich des Vermummungsverbots zu diesem Vorschlag sagt.


Mein Tipp: Entspannt euch an diesem spielfreien Wochenende gemütlich auf der heimischen Couch, strotz somit der zweiten H1N1-Welle und zieht euch am Fernseher rein, wie sich die Nutella-Boys darum bemühen, die zweiten Bälle zu erobern.


Wenn ihr dann alle wieder auf dem Damm seid, erkläre ich, wie man gegen den Ball arbeitet und was es bedeutet, das Spielfeld klein zu halten.

Oink!



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Samstag, 3. Oktober 2009

Europapokal

Diese Woche wurden endlich die Terminhäppchen für die nächsten Spielansetzungen serviert. Besonders die Vorfreude auf die erste Novemberwoche ließ mein Herz höher schlagen. Nachdem am 5. November die Celts in der Vorstadt gastieren werden, geht’s gleich am nächsten Tag mit unserem Heimspiel gegen die Fortuna aus Düsseldorf weiter.

Meine ursprünglichen Zweifel, an Karten für das Glasgower Spektakel im Volkspark zu kommen, lösten sich sofort in Wohlgefallen auf, nachdem ich das folgende Telefonat mit der Ticket-Hotline der St. Ellinger geführt hatte.

Netter Herr von der Vorstädter Ticket Hotline (NHvdVTH):
HSV-Ticket-Hotline, schönen guten Tag, was kann ich für Sie tun?

Olli: (in Erwartung, in den nächsten paar Sekunden schallend ausgelacht zu werden) Moin, ich hätte gerne vier Karten für das Spiel gegen Celtic.

(NHvdVTH): Sehr gerne, wo bitte möchten Sie sitzen?

Olli: Block 17, bitte.

(NHvdVTH): Da habe ich noch freie Plätze auf allen drei Rängen.

Olli: Dann die Günstigsten, C-Rang vermute ich?

(NHvdVTH): Richtig, macht mit Porto dann 164,- €. Möchten Sie mit Kreditkarte oder per Lastschrift zahlen?

Olli: Mir egal, machen wir meinetwegen Lastschriftverfahren.

Also gab ich meine Kontodaten durch.

(NHvdVTH): Wunderbar, die Karten schicken wir Ihnen in den nächsten Tagen zu. Kann ich sonst noch irgendetwas für Sie tun?

Olli: Danke nein, das war’s!

(NHvdVTH): Dann wünsche ich viel Spaß, Wiederhören!

Klick!

Mit heruntergelassener Kinnlade war ich noch völlig baff, wie schnell und unkompliziert das geklappt hatte, als mich der Besetztton wieder in die Gegenwart zurück holte.

Bei der Online-Bestellung soll das übrigens ähnlich reibungslos von Statten gehen. Aber Achtung! Wie mir berichtet wurde, muss man in diesem Fall die Kröte schlucken, an seinem Geburtstag um spätestens 00:02 Uhr eine Email mit den folgenden Worten zu empfangen:

Lieber HSV-Fan,
(…)
Wir wünschen Ihnen alles Gute zum Geburtstag!
(…)


Wer genug Größe hat, darüber hinwegzusehen, dass der Klub von der MVA zu den ersten Gratulanten zählt, kann also auch diesen Weg wählen. Aber sagt hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Gerade, weil das bei unseren Nachbarn alles so schön und einfach klappt, frage ich mich, was jetzt die Diskussion soll, Tickets für dieses Spiel an den FC St. Pauli abzugeben. Wie kompliziert und nervig es dann wird, Karten zu ergattern, weiß noch Jeder, der in der Schlange für das Pokalspiel bei Werder anstand. Aber vielleicht braucht der leidgeprüfte St. Pauli-Masochist genau das.

Es stellt sich allerdings die Frage, warum es eigentlich so leicht ist, an diese Tickets zu kommen, bzw. überhaupt diskutiert wird, Karten ausgerechnet an uns abzugeben?

Nun, das liegt zum Einen mit Sicherheit an den gepfefferten Preisen, zum Anderen ist aber bestimmt auch der neue Modus im ehemaligen UEFA-Cup mit einer Gruppenphase wie in der Champions League schuld.

Was den Vereinen die TV-Einnahmen aus mindestens sechs Partien garantiert, geht den Fans gewaltig auf die Eierstöcke. Spiele, die von taktischem Geplänkel dominiert werden, lassen nun mal kein Europapokal-Feeling aufkommen. Somit geht die interessante internationale Saisonphase leider erst nach Weihnachten los.

Deshalb freue ich mich in diesem Fall auch weniger auf das sportliche Kräftemessen, als auf ein Wiedersehen mit vielen schottischen Freunden und eine geile Party, die mindestens von Mittwoch bis Sonntag währt.


Welch skurrile Blüten die Verwässerung der Europapokal-Wettbewerbe mit Netz und doppelten Boden bei den Fans hervorruft, zeigt die Reaktion der Schickeria. Gerüchten zu Folge haben sich einige Mitglieder der Münchener Ultras anno 2007 diebisch gefreut, dass ihr Team nur Vierter geworden ist. Dadurch standen endlich mal andere Reiseziele als Manchester, Mailand oder Madrid auf dem Fahrplan.

Man mag so ein Gebaren als dekadent abtun, eines zeigt es gewiss:
Die Fans haben die Schnauze gestrichen voll von der Geldvermehrungsmaschinerie der UEFA, die neben fetter Kohle nur gähnende Langeweile garantiert.

Und wo ich schon mal in München bin, noch ein paar Worte zu unserem heutigen Gegner. Anfang der neunziger Jahre gab es ja wohl mal so etwas, wie eine Fanfreundschaft zwischen den 60ern und uns. Prima Medienkampagne war das damals, passten doch die beiden herrlich verrückten Underdogs vorzüglich zueinander. Mittlerweile habe ich für die Löwen-Fans nicht mal mehr Verachtung übrig. Wer so widerstands-
los seine Heimat, seinen Glauben, seine Kultur, ja eigentlich seine ganze Identität von geldgeilen Dilettanten massakrieren lässt, der ist wahrlich schon reif für die Champions-League.




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Sonntag, 27. September 2009

Fußballhauptstadt
Hamburg

Puuuuh…, das war sie also, die sagenumwobene Woche der Wahrheit! Was hat sie gebracht, außer dem nüchternen Faktum, dreimal knapp verloren zu haben? Auch wenn jedes Spiel für sich genommen kein Offenbarungseid war, wissen jetzt doch alle, wie man gegen das intergalaktische Kiezensemble zu spielen hat.

Lautern hat das am letzten Sonntag am eindrucksvollsten bewiesen. Die Pfälzer gaben eindeutig den Ton an, indem sie defensiv diszipliniert die Räume eng hielten, was bei unseren Jungs zu einem kaum noch gekannten Fehlpassfestival führte. Die daraus resultierenden Konter wurden dann vorzugsweise über unsere linke Abwehrseite gefahren, weil der hochtalentierte, aber eben noch junge und damit inkonstante Drobo als schwächstes Glied in der Abwehrkette identifiziert wurde. Bezeichnend, dass vier von fünf Gegentreffer der letzten Woche über seine Seite fielen. Tja, so fies kann des Gegners Taktik sein…

Des Weiteren bleibt aus allen drei Spielen die Erkenntnis, dass es weder gegen ein Spitzenteam aus der zweiten, geschweige denn gegen einen Erstligisten, langt, nur eine gute Halbzeit abzuliefern.

Im Heimspiel gegen Kaiserslautern war dies bezeichnenderweise auch noch die erste Hälfte. Schon bitter, wenn man zur Pause zurück liegt und dann im zweiten Durchgang nicht mehr in der Lage ist, zu einer einzigen nennenswerten Torchance zu gelangen. Eigentlich rätselhaft, wie da noch der Anschlusstreffer gelingen konnte.

In Bremen genauso, wie in der Stadt, die es nicht gibt, war es dann die jeweils erste Halbzeit, die mit unterirdisch noch geschönt beschrieben ist.

Gestern gegen die Arminia war das Spiel über weite Strecken sogar so unattraktiv, dass Moderatoren-Urgestein Uli Potofski den bundesweit über 18 Mio St. Pauli-Sympathisanten sein Mitleid zollte. Was im Jolly jemanden dazu verleitete ein leises

„In dem Land, in dem wir wohnen,
sind aber 'n paar Millionen“

zu summen.

Meine Güte, dachte ich, dabei sind ja schon tausend kein Pappenstiel mehr. Und selbst wenn, würde das 18.000 Pappenstiele bedeuten, da würde der Choreogruppe doch bestimmt was Gutes zu einfallen.


Ihr seht, die geistige Reduktion schritt rasant voran und glich sich unweigerlich dem sportlichen Niveau an. Aber ich merke schon, dass ich abschweife, wenn ich mich dem ersten Durchgang von gestern entsinne.

Was ist also mit dem Scherbenhaufen zu tun, den die letzte Woche hinterlassen hat?

Hier sollte sich gefälligst jeder einmal selbst hinterfragen. Für meinen Teil kann ich nur sagen, dass ich alle meine Rituale strikt eingehalten habe. Wie immer habe ich morgens an den Spieltagen meinen Kaffee aus meiner Liverpool-Tasse getrunken und beim Heimspiel genoss ich mein erstes Bier wie gewohnt, pünktlich eine Stunde vor dem Anpfiff im Jolly Roger.

Die ersten Anzeichen für einen schlechten Tag zogen dann am Einlass auf. Mein Stammordner hatte keine Armbändchen mehr, die zum Betreten der Singing Area berechtigen. So musste ich zwangsläufig auf die andere Ordnerin ausweichen.

Bei Auswärtsfahrten gen Süden ist es bei uns ein ungeschriebenes Gesetz, das erste Bier nicht vor dem passieren der Elbe zu öffnen. Am Mittwoch wurde dieses Ritual durch die temporäre Abstinenz eines Mitglieds meiner Reisegruppe quasi ad absurdum geführt.

Die drei Auswärtssiege dieser Saison habe ich übrigens allesamt mit einem Kumpel hinterm Tresen verfolgt. Gestern ist er Gerüchten zufolge mir nichts, dir nichts in die Stadt, die es nicht gibt, gefahren.

Sind wir hier jetzt im Tollhaus der Liga, oder was?

Reißt euch für den Erfolg gefälligst alle mal zusammen. Wo kommen wir denn hin, wenn auf einmal jeder macht, was er will? Der Eine reist unmotiviert durch die Republik, der Nächste stellt unvermittelt das Saufen ein und die für Block1 zuständigen Ordner sind nicht in der Lage, ihre Bändchen so gleichmäßig zu verteilen, dass ich meines von der mir vertrauten Person erhalte.

Eines kann ich euch da mit Sicherheit versprechen: So ist’s leider bald vorbei mit der

Quelle: magischerfc.de



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Freitag, 11. September 2009

Zum Glück ist Sommer

„Zum Glück ist Sommer“, dachte ich mir am Montag, als ich mich um halb acht in die Schlange vor dem Kartencenter einreihte. Nach meiner vorsichtigen Schätzung warteten dort schon an die 200 Bekloppte, um die heiß begehrten Tickets für das Pokalspiel in Bremen zu erwerben. Das müsste doch wohl klappen, war mein erster Gedanke. Im Gespräch mit den Leuten um mich herum stellte ich dann aber fest, dass die meisten mehr als eine Karte haben wollten. Der Typ vor mir wollte elf, der hinter mir vier und ich selbst sieben Billets. Weil aber an diesem Morgen lediglich 1400 Eintrittskarten zum Verkauf standen, kamen leise Zweifel am Erfolg meines Unterfangens auf. Bis neun füllte eine gewundene Menschenschlage den Stadionvorplatz bis vor den Eingang des Schwimmbades. Nach knapp viereinhalb Stunden Wartezeit war es dann um viertel vor elf tatsächlich soweit, ich passierte das letzte Gatter zu den Kartenhäuschen. Erster Schalter ausverkauft, zweiter Schalter nur noch fünf anstatt der gewünschten sieben Sitzplätze, dritter Schalter keine EC-Kartenzahlung möglich! Gut, dass Matti mir noch etwas Bargeld vorbei gebracht hatte…
Wer erst nach acht dagewesen ist, wird wohl keine Chance mehr gehabt haben. Rätselhaft, warum sich Einige dann trotz mehr als tausend Wartender noch in die Schlange eingereiht haben. Die Hoffnung stirbt wohl immer zuletzt.

So sah’s am Montagmorgen vor der Südtribüne aus

Nun ist es also unumstößlich, dass ich dem bisherigen Saisonhöhepunkt beiwohnen werde.
Aber auch, wenn wir wie erwartet an der Weser sang- und klanglos untergehen werden, so werde ich nicht allzu enttäuscht sein. Zu groß ist die Dankbarkeit, zu frisch die Erinnerungen an die grandiosen grün-weißen Wochen der Vorsaison, die uns ein Spießrutenlaufen in der eigenen Stadt erspart haben.

Wer erinnert sich nicht gerne daran, wie Tim Wiese mit seinen verbalen Provokationen vor dem ersten von vier Duellen mit unserem Lokalrivalen das Sprichwort “Wer zuletzt lacht, lacht am besten“ widerlegte und anschließend vor der Nordtribüne der Pleitebank-Arena zum gefeierten Elfmeterkiller wurde?

Schön war auch, der von den Vorstädtern komponierte Gassenhauer “Istanbul ist schöner als Berlin“, nachdem sie in Bremen tatsächlich das Hinspiel des UEFA-Cups gewonnen hatten. Bloß schade, dass sie niemals herausfinden durften, ob dem wirklich so ist. Dafür sorgte im Rückspiel dann Michael Gravgaards legendäres Tänzchen mit der Papierkugel, das zum allesentscheidenden Eckball führte.

Die legendäre Papierkugel
Wahre Größe bewiesen die Bremer dann, als sie in der schweren Stunde der Finalniederlage noch der unterlegenen Halbfinalisten gedachten und vom Bosporus die DaHHeimgebliebenen grüßten.

Ebenfalls unvergessen bleibt Wieses großartige Sangeseinlage vor der Bremer Fankurve. Was haben wir gelacht!

”Herr Wiese, ich muss doch sehr bitten, sowas denkt man allenfalls!”
Nach all der Schmach brach Werder die St. Ellinger dann endgültig im Liga-Duell und schubste die Vorstädter sogar kurzzeitig aus den UEFA-Cup Europa-Liga-Rängen.

Als ich mir dann völlig entspannt das Pokalfinale ansah, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen musste ich laut loslachen, als ausgerechnet Uwe Seeler den Siegern den Pokal übereichen musste. Welch krönender Abschluss in einem furiosen Saisonfinale.

Euch Uwe belohnt die wohlverdienten Sieger
Jetzt also dürfen wir uns mit den Pokalverteidigern messen. Der Respekt der Bremer scheint aufgrund unserer derzeitigen Auswärtsstärke und wohl auch wegen des letzten Aufeinandertreffens so immens zu sein, dass sie sogar versuchen, die Jahreszeiten mit ins Kalkül zu ziehen. Aber auch das wird diesmal nichts nützen!


Liebe Bremer, leider kann man nicht jedes Jahr das Endspiel in Berlin erreichen. In diesem Jahr ist für euch in der zweiten Runde Schluß.

Zum Glück ist Sommer

"In Bremen wird grundsätzlich so massiv mit Schnaps gearbeitet, dass man niemals eine Erinnerung von der erlebten Nacht, von Bremen überhaupt und im Speziellen von den Bremern behält. Bremen ist eine Schemenstadt. Keiner wird sich, wenn Bremen mal weg sein sollte, an Bremen erinnern können. Bremen wird weggesoffen sein aus der Erinnerung der Menschheit."
Rocko Schamoni / Sternstunden der Bedeutungslosigkeit




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Donnerstag, 3. September 2009

Der Fußball und
das süße Leben

Eines muss ich jetzt wirklich mal los werden: Länderspielpausen nerven! Das liegt weniger daran, dass ich für diese aalglatten Nutella-Fresser ein immer geringeres Interesse aufbringe, als an der Tatsache, dass ich nach dem furiosen Saisonauftakt kaum erwarten kann, wie es weitergeht. Dabei ist es nicht so, dass ich Angst hätte, der Rhythmus könnte verloren gehen, und wir fangen uns im nächsten Spiel beim Tabellenschlusslicht wie im letzten Jahr erneut eine Niederlage ein. Das wird definitiv nicht passieren. Da lehne ich mich aufgrund der guten Erfahrungen der letzten Wochen mal wieder extrem weit aus dem Fenster. Sowas muss ein Aufstiegsaspirant verkraften können.

Von einem Aufstieg in den erlauchten Kreis der Nuss-Nougat-Fraktion träumte einst wohl auch René Schnitzler, als er 2006 mit zarten 21 Lenzen sein Bundesligadebüt feierte und ein Jahr später bei uns seinen ersten Profivertrag unterzeichnete.

Die Desillusionierung folgte ad hoc. Unter der Woche schneite die Meldung herein, dass Schnitzel per sofort seine Buffer für den Verbandsligisten FC Wegberg-Beeck schnürt.

Der Absturz des begnadeten Balltreters in die Tiefen des Amateur-
fußballs zeigt einmal mehr, dass Talent allein für den großen Wurf nicht ausreicht. Wer seinen Lebensunterhalt mit Profisport bestreiten will, der muss am Wochenende im ausverkauften Stadion zeigen, dass er zu den 1‰ der Anwesenden gehört, die besser Fußballspielen als Saufen können. Hoffentlich begreift Schnitzel das bald, und er nutzt in der sechsten Liga seine vielleicht letzte Chance.
Marco Köller hat sie seinerzeit nicht genutzt. Wie, Marco Köller kennt ihr nicht? Der hochbegabte Defensivspieler führte 1995 als „Spieler der Saison“ den SV Bau-Union aus der achten in die siebte Liga.
Bemerkenswert ist diese Geschichte, über die der Spiegel im Dezember 1996 berichtete, an sich nur, weil Köller 1986 zusammen mit Oberstreber Matthias Sammer die Junioren-Europameisterschaft gewann. Als „Entdeckung der Endrunde“ pries damals die „Junge Welt“, ihr ahnt es, nicht den späteren Superstar Sammer, sondern den später an den Gesetzmäßigkeiten des modernen Profisports gescheiterten Köller.

Ausnahmeerscheinungen, wie George Best, die es trotz eines unsoliden Lebenswandels („I spent a lot of my money on booze, birds and fast cars. The rest I just squandered.“) auf der ganz großen Bühne zu Ruhm und Ehre gebracht haben, gibt es eben sehr, sehr selten.

Bleibt nur zu hoffen, dass unsere jungen und hoffnungsvollen Talente frühzeitig das Wesentliche erkennen und nicht auf den Spuren von Schnitzler oder Köller wandeln.

Zumindest Deniz Naki scheint das begriffen zu haben. Neben der Absage an das süße Leben, verzichtet er dieser Tage auch auf die U20-WM in Ägypten und richtet stattdessen seinen Fokus komplett auf den besten Verein der Welt. Das alles, damit wir uns am Ende der Saison zur Aufstiegsfeier gehörig einen auf die Lampe gießen können!

Zielstrebig auf dem Weg nach vorn: Deniz Naki
Quelle: magischerfc.de
Apropos Aufstieg. Der scheint, das ist die Crux an der Sache, in diesem Jahr fast zur Pflicht zu werden. Ansonsten sehe ich kaum einen Weg, die neue Wunderelf beisammen zu halten. Schon bald werden sonst die Gesandten der liquiden Erstligisten an unsere Türe klopfen und um die Dienste unserer hochbegabten Angestellten buhlen. Auch das ist ein Gesetz des modernen Profitums.

So, und jetzt schmiere ich mir jetzt erstmal ein schönes Nutella-Brot und hole mir dazu ein kaltes Krombacher aus dem Kühlschrank.
Bon Appétit!

Hmmmmm… exkrementisch lecker!


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Sonntag, 30. August 2009

Ode an die Freude

Spätestens seit Freitagabend, als das braun-weiße Fegefeuer das Badener Land heimsuchte, muss die Frage, ob es einen Fußballgott gibt, mit einem eindeutigen JA beantwortet werden.

Damit nicht genug, sein leibhaftiger Sohn steht als Trainer beim FC St. Pauli unter Vertrag!
Genau wie vor 2000 Jahren Jesus Wasser zu Wein machte, hat Stani aus Scheiße Gold gemacht. Seit seinem Amtsantritt im November 2006 hat der Fußball-Heiland einer vom Abstieg bedrohten Blindentruppe das Augenlicht zurück verliehen. Aus einer Ansammlung von Lahmen formte er unter dem Kreuz arg limitierter, finanzieller Mittel eine spiel- und kampfstarke Mannschaft, die heuer in der 2. Bundesliga Angst und Schrecken verbreitet.

Ist damit tatsächlich die Wende zum Guten eingeleitet? Vielleicht verblassen jetzt endlich die klischeehaften Attribute kultig, fröhlich, friedlich, die man gemeinhin mit uns in Verbindung bringt. Dafür soll den Gegnern der Angstschweiß auf der Stirn stehen, wenn das Spiel gegen den FC St. Pauli auf dem Terminplan unaufhaltsam näher rückt. Wer braucht schon Sympathie, wenn er Gott auf seiner Seite hat? Stattdessen will ich Demuth Demut und Respekt! Oder, um es mit den Worten Klaus Störtebekers zu sagen: „Des lieben Gottes Freund und aller Welt Feind!“

Zelebrieren wir die baldige Erlösung vom Image des „Spaß-Klubs“ und den Aufbruch in ein neues Zeitalter mit nicht weniger als Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“!


Übrigens haben wir in der Saison 2000/01 schon mal in einem Auftaktspiel doppelt so viele Toren wie Rot-Weiß Ahlen geschossen und das zweite Spiel mit 5-0 gewonnen. Auch im dritten Spiel schossen die Gastgeber seinerzeit zwei Tore. Dass wir damals beim Reutlinger 2-0 Heimsieg mit leeren Händen vom Platz gingen und so zum gleichen Zeitpunkt einen Zähler weniger auf der Habenseite hatten, soll jetzt nur mal am Rande erwähnt sein. Am vierten Spieltag haben wir übrigens mit 4-0 gewonnen und hatten ebenfalls ein Torverhältnis von +10.
Was in jener Spielzeit mit einer weitaus weniger spielstarken Mannschaft unterm Strich herauskam, weiß wohl noch jeder von euch…



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Donnerstag, 20. August 2009

Punk is Not Dead

Ungläubig rieb ich mir am Montagabend immer wieder die Augen. Hat man so eine Darbietung wie auf dem neuen Tivoli schon mal erlebt? Jedenfalls kann ich mich nicht an einen solchen Auftritt auf des Gegners Platz erinnern.

Damit wäre dann wohl auch eindeutig geklärt, dass auf meinem Urin Verlass ist. Wenigstens ein hochverdientes Unentschieden hatte ich letzte Woche prognostiziert. So wäre es vielleicht auch gekommen, wenn in der ersten Viertelstunde Matze Hain nicht in so bravouröser Manier die beiden Aachener Großchancen vereitelt hätte, wie ich es ihm ehrlich gesagt kaum noch zugetraut hätte. Was dann kam, beschrieb der „Sky“-Kommentator, deutlich untertrieben, nur noch als wundervollen Fußball.

Vielleicht sollte ich meine Harnflüssigkeit auf Flaschen ziehen und als Weihwasser zur Salbung des Totenkopfes teuer veräußern. Wer sich jetzt fragt, was für einen Schwachsinn ich hier gerade verzapfe, der liefert ein eindeutiges Indiz dafür, dass er gestern nicht der Welt bestes Fanzine erworben hat. Schämt euch was! Aber ich will mal nicht so sein und liefere euch, sofern ihr hoch und heilig Besserung gelobt, hier mal den Link zu meiner Kolumne im Übersteiger.

Da ich diesem fantastischen Anschauungsunterricht in Sachen Fußballkunst leider nicht persönlich beiwohnen konnte, lasse ich an dieser Stelle meinen langjährigen Kumpel Hinz seine Eindrücke vom Montag Revue passieren.

Zu Gast in Block N1

Was war passiert? Kurz nach Beginn der dritten Halbzeit verstummte der Jubel abrupt. Die Leute auf den hinteren Reihen in Block N1 des neuen Aachener Tivolis bekamen erst gar nicht recht mit, was passiert war. Doch in wenigen Sekunden sprach sich herum, was passiert war: Mini war mehrere Meter in die Tiefe gestürzt.

Die Fans, die bereits nach dem Kantersieg das Stadion verließen, mussten nur wenige Meter an dem leblos wirkenden Körper vorbei – Fassungslosigkeit.

Wie konnte es dazu kommen? Nach dem fulminanten Halbzeitstand von 4-0 für uns war kein Halten mehr. Die zweiten 45 Minuten wurden zu einer einzigen Party. Immer und immer wieder wurde der Gassenhauer

“Hier am Tivoli
Siegt der FC St. Pauli
Alemannia
Ihr verliert, das ist doch klar!“

geschmettert.


Reichlich Bier und auch andere Glücklichmacher steigerten die Laune zusätzlich. Die Aachener Fans in den benachbarten Blöcken wurden auf ihren Schalensitzen immer kleiner.

Vor allem in den ersten Reihen - des viel zu klein geratenen Stehplatz-Gästebereichs – wurde ekstatisch gefeiert. Freier Oberkörper, noch mehr Bier, Pogo pur – geil. Zu keiner Zeit, soweit ich es verfolgen konnte, schritt einer der anwesenden Ordner ein. Sie ließen das braun-weiße Partyvolk machen.

Eigentlich eine gute Sache, doch irgendwo ist der Spaß vorbei. Da sind mir ein paar Spaßverderber lieber, als dass ein Fan auf der Intensivstation landet. Sicher: Auf die Balustrade zu klettern ist verantwortungslos – und wenn es sich nur um Sekundenbruchteile handelte, war der Sturz nicht zu verhindern. Doch warum hat die Fans keiner darin gehindert überhaupt auf die Betonwand zu klettern?

So fragten sich auch Aachener-Fans auf dem Heimweg, wie konnte es dazu kommen? Warum haben unsere Ordner nichts gemacht?

Eins war auf allen Seiten ganz schnell klar: Fußball ist wirklich nur eine Nebensache. Den Aachener Fans war die eigene Klatsche plötzlich ziemlich egal und wir konnten uns über die Fußball-Gala von Stanis Männern kaum freuen.

PS: Wann lernen die Verantwortlichen in anderen Klubs eigentlich, dass auch die Fans gegnerischer Mannschaften ein Anrecht auf wirklich vernünftige Plätze haben? Zwar haben die Aachener ein beeindruckendes Stadion im englischen Stil ohne Rang, doch können nur die Gäste in den ersten Reihen das ganze Spielfeld sehen. Der Rest starrt auf eine Betonwand anstatt auf die Eckfahne.



Als ich am Dienstagmorgen von Minis tragischen Unfall hörte, hatte ich sofort unweigerlich die Bilder von Nils‘ entsetzlichen Absturz vor Augen. Warum müssen solche Dinge immer wieder passieren? Warum lassen sich diese Tragödien nicht verhindern?

Sven Brux stellte dazu richtig fest, dass es hundertprozentige Sicherheit nicht geben könne, wenn jemand betrunken oder leichtsinnig oder gar beides sei.

Aber was wäre die Alternative? Wollen wir jetzt alle vernünftig werden? Wollen wir nach so einem historischen Sieg lediglich dezent Beifall klatschen, als ob Tommy Haas gerade eine knappe Erstrundenniederlage am Rothenbaum kassiert hätte, während wir uns in den Satzpausen mit S.Pellegrino erfrischt hätten?

Nein, wir werden weiter die Kurven der Republik rocken!

“Heute knallen wir uns zu mit Marihuana
Tonnenweise THC für St. Paulianer
Hektorliterweise Bier
Für eine Kurve außer Kontrolle!“


Sankt Pauli ist Punk, und…

Punk is Not Dead!


Übrigens haben wir in der Saison 2000/01 schon mal in einem Auftaktspiel doppelt so viele Toren wie Rot-Weiß Ahlen geschossen und das zweite Spiel mit 5-0 gewonnen. Auch im dritten Spiel schossen die Gastgeber seinerzeit zwei Tore. Dass wir damals beim Reutlinger 2-0 Heimsieg mit leeren Händen vom Platz gingen und so zum gleichen Zeitpunkt einen Zähler weniger auf der Habenseite hatten, soll jetzt nur mal am Rande erwähnt sein.
Was in jener Spielzeit mit einer weitaus weniger spielstarken Mannschaft unterm Strich herauskam, weiß wohl noch jeder von euch…



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Sonntag, 16. August 2009

Warten auf die Ernüchterung


Irgendetwas scheint faul im Staate Dänemark
Irgendwie kommt mir die ganze Harmonie der letzten Wochen doch recht spanisch vor. Zumal aktuell ja fast nur negative Dinge wie ETA-Bomben oder Schweinegrippe von der iberischen Halbinsel auf uns hernieder prasseln.

Los ging es schon mit Beginn der Sommerpause. Zuallererst präsentierte man uns mehr als adäquaten Ersatz für die scheinbar ach so unabkömmlichen Abgänge. Dabei scheinen alle Neuen echte Volltreffer zu sein. Rückkehrer Takyi wird mit Sicherheit motivierter auftreten, als der „geniale“ Lude und Matze Lehmann wird garantiert nicht sooft ausfallen, wie der tschechische Edeltechniker mit Nationalmannschaftsambitionen Filip Trojan, der nebenher bemerkt, natürlich verletzungsbedingt, schon wieder die Vorbereitung nicht mitmachen konnte. Jede Wette, der kommt in Mainz in dieser Spielzeit auf keine fünfzehn Pflichtspieleinsätze.

Damit auch wirklich nicht der geringste Anflug von Skepsis aufkommt, ersetzte man die beiden Super-Youngster Hoilett und Sismanoglu durch Kruse und Naki. Wenn ich da mal nach meinen Eindrücken aus den ersten Spielen urteile, dann haben wir uns sogar hier qualitativ verbessert. Und dazu taucht quasi aus dem Nichts noch ein gewisser Nils Pichinot, der mich ob seiner ersten Auftritte unweigerlich an den jungen Ivan Klasnic erinnert.

Als ob ich als leidgeprüfter St. Pauli-Fan mit soviel sportlicher Zuversicht nicht schon genug überschüttet wäre, musste ich weiterhin eine positive Nachricht nach der anderen vernehmen.

Nach dem Überfall auf das „Jolly Roger“ stellte sich die Führungsebene tatsächlich erstmal geschlossen hinter seine Anhänger und verlangt eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle.

Hat da wohl endlich mal jemand was begriffen?

Noch vor der Winterpause soll der Stadionumbau mit der Erneuerung der Haupttribüne fortgesetzt werden.

Kann das trotz der globalen Finanzkrise wirklich wahr sein?

Auf den allerletzten Drücker präsentierte der Verein mit der rumänischen „Renault“-Tochter „DACIA“ tatsächlich noch einen zumindest aus finanzieller Sicht akzeptablen Trikotsponsor.

Haben wir da tatsächlich das Optimum aus der prekären Situation rausgeholt?

Sportlich sind wir trotz ausbaufähiger Leistung im Pokal eine Runde weiter. In der Liga wurden wir obgleich eines individuellen Fehlers nicht um den Lohn der Mühen gebracht und haben das erste Heimspiel durch ein Tor in der Nachspielzeit doch noch gewonnen.

Darf man das als einen gelungenen Saisonauftakt bezeichnen?

Zu allem Überfluss schneite am Freitag dann die Nachricht herein, dass der Verein gegen den 30(!)-jährigen Knebelvertrag mit „Upsolut“ in die Offensive geht.

Werden wir tatsächlich bald nennenswerte Einnahmen aus dem Merchandising einstreichen?

Irgendetwas scheint faul zu sein im Staate Dänemark! Normalerweise müsste es morgen bei der Einweihungsparty des neuen Tivoli eine derbe Klatsche mit wenigstens drei Toren Unterschied geben und sich endlich die in all den Jahren liebgewonnene Ernüchterung einstellen.
Allerdings sagt mein Urin mir etwas anderes. Da lehne ich mich heute mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass wir in Aachen mindestens ein hochverdientes Unentschieden holen.

Da wir bis zur Klärung der Frage, ob meinen gelben Nierenausscheidungen tatsächlich zu trauen ist, aber noch mindestens bis Montagabend warten müssen, kommt hier nochmal der Torjubel zum 2-1 gegen Ahlen aus der Südkurvenperspektive!


Übrigens haben wir am 12. August 2000 schon mal ein Saisonauftaktspiel mit doppelt so vielen Toren gegen Rot-Weiß Ahlen gewonnen. 3-6 lautete damals das Endergebnis im Wersestadion. Und was in jener Saison mit einer weitaus weniger spielstarken Mannschaft am Ende herauskam, weiß wohl noch jeder von euch…



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